Eine ausgespritzte Louis-Vuitton-Tasche und die Frage, die mich fast aus dem Konzept brachte

Autor: Ralf List |

Ralf List über eine beiläufige Bemerkung im Atelier, die ihn mehr beschäftigte als jedes große Projekt , warum kleine Kränkungen oft am lautesten sind.

Ich habe in meinem Leben mit großen Rückschlägen einigermaßen gelassen umgehen gelernt: gescheiterte Millionenprojekte, öffentliche Kritik im großen Stil, ein verkauftes Unternehmen. Was mich dagegen manchmal tagelang beschäftigt hat, waren die kleinen Dinge. Eine beiläufige Bemerkung. Ein halb ironischer Satz, hingeworfen, ohne böse Absicht.

Als ich anfing, gebrauchte Designertaschen mit Bauschaum auszuspritzen, mit Farbe zu bespritzen und auf Leinwände zu kleben , die neue [Kunstrichtung BrandArt](https://brandartbylist.com/), war die Reaktion vieler Menschen aus meinem alten Geschäftsumfeld eine hochgezogene Augenbraue und die Frage: "Ist das wirklich Kunst?" Gesagt in einem Nebensatz, zwischen zwei anderen Themen, wahrscheinlich schon am nächsten Tag vergessen von der Person, die es gesagt hat.

Bei mir blieb dieser eine Satz tagelang hängen. Nicht die großen Kritiken aus der Presse, an die ich gewöhnt war. Dieser eine, beiläufige Nebensatz.

![LOUIS VITTON](https://d2xsxph8kpxj0f.cloudfront.net/310519663483476960/3Q9hJmyC47Z6qD7FkKUoQw/blog-images/r8qRJ-qcxWwo.jpg)

Warum die kleinen Dinge lauter sind als die großen

Große Herausforderungen bringen uns oft in einen Modus, in dem wir automatisch mobilisieren: Wir sammeln uns, wir handeln, wir kämpfen. Kleine Kränkungen dagegen unterlaufen diesen Modus. Sie sind zu klein, um ernsthaft zu reagieren, aber groß genug, um im Kopf hängen zu bleiben. Und genau da beginnt das S² aus meiner Formel zu arbeiten: Ein winziger, eigentlich belangloser Satz wird im Kopf wiederholt, ausgeschmückt, mit Bedeutung aufgeladen, bis er größer wirkt als er je war.

Disraeli soll einmal gesagt haben, das Leben sei zu kurz, um klein zu sein. Ich finde diesen Satz nicht deshalb überzeugend, weil kleine Dinge keine Bedeutung hätten , sondern weil man selbst entscheidet, wie viel Bedeutung man ihnen gibt.

STOP , CHECK , SHIFT bei den kleinen Dingen

**STOP:** Bemerken, wenn ein Gedanke, der eigentlich nichtig ist, beginnt, sich im Kopf festzusetzen und zu wiederholen.

**CHECK:** Wird dieser Satz in einer Woche noch etwas bedeuten? In einem Jahr? Oder ist er schon jetzt, objektiv betrachtet, bedeutungslos , nur mein Kopf hat ihm noch nicht mitgeteilt, dass er gehen darf?

**SHIFT:** Bewusst die Aufmerksamkeit auf das lenken, was tatsächlich zählt. Bei mir war das: weiterarbeiten. Die nächste Tasche, die nächste Leinwand, das nächste Werk.

Ich mache heute weiter mit Schuhen von Manolo Blahnik und Taschen von Hermès und Chanel, alles Originale, alles bunt, schrill, laut. Nicht weil mich niemand mehr in Frage stellt , sondern weil ich gelernt habe, dass die Frage "darf man das?" gar nicht die Frage ist, die zählt. Die einzige Frage, die zählt, ist: Fühlt es sich echt an?

Die kleinen Sätze, die im Kopf hängen bleiben, verdienen selten die Energie, die wir ihnen geben. Der 10-Minuten Reset ist genau dafür gemacht: nicht für die großen Krisen, für die man ohnehin mobilisiert , sondern für die kleinen, hartnäckigen Gedanken, die sich sonst tagelang festsetzen.

**Das Problem ist nicht dein Leben. Das Problem ist das, was du darüber denkst.**