
Leseprobe
Wie du dein Leben in ein grenzenloses Abenteuer verwandelst.
von Ralf List · Remote Verlag
Wenn Sie diese Autobiographie in der Hand halten, halten Sie im Grunde ein Haus. Kein perfektes, frisch gestrichenes Haus. Eher eines mit Stuck an der Decke, Flecken auf dem Boden und Fenstern, in denen das Leben beschlägt. Meine Galerie. Mein Swatch-Haus. Mein fliegendes Haus. Mein Radiosender. Mein teuerster Orgasmus der Welt. Mein eBay-Kinofilm. Mein teuerstes Hemd der Welt. Mein Trüffel-Champagner. Mein Bio-Botox. Mein Foodtruck. Meine eigene Kunstrichtung. Gebaut aus Geschichten, die ich nicht bestellt habe und die mich doch gefunden haben. Alles gelebte Geschichten, keine erfundenen.
Ich war 23, als ich glaubte, das Universum würde auf Mut mit Applaus reagieren. Es antwortete mit Schweigen. Meine Galerie Art Line & Deco Rent war eine Idee zu früh und ein Konto zu klein. Ein einziges verkauftes Bild: Picassos Friedenstaube. Sie ist bis heute mein erstes Zeichen. Danach kamen staubige Kellertreppen, Australien, Gerichtsvollzieher, zwei Kinder, Porsche, Bruch. Das Swatch-Haus für alle: geboren, gewachsen, verloren. Das fliegende Haus, gebaut auf einem Fließband. Gefeiert in den Zeitungen, getragen von Helikoptern in meiner Fantasie und von Illusionen in der Realität. Berlin, Champagner, S-Klasse, in den Waschsalon mit eigenem Chauffeur. Danach: nichts. Und wieder alles.
Ich wurde ein Monster, baute Radio Aachen auf und wurde vor die Tür gesetzt. Drehte einen eigenen Kinofilm und versteigerte alle Rollen bei eBay. Wer ist eigentlich Paul? Am Ende der schlechteste Film der Welt und doch eine großartige Lektion. Frank Zander sang „Hier kommt Paul“. Hollywood winkte, Hollywood verschwand.
Dann malte ich nicht und war doch Maler. Mein Künstlername: Pictor Roy. Orgasm to hell, der teuerste Orgasmus der Welt. Für 19,5 Millionen Dollar versteigert; mit viel Gelächter im Kleingedruckten und einer Wahrheit dazwischen. Ich erfand den Trüffel-Champagner und das weltweit erste Bio-Botox. Kate Middleton, Madonna, Karl Lagerfeld und Meghan Markle liebten mein Produkt. Jennifer Lopez verklagte mich. Dann kochte ich in meinem Foodtruck Risotto mit Portwein-Jus und erfand eine eigene Kunstrichtung: BrandArt by LIST.
Diese Autobiographie ist kein Siegesmarsch. Sie ist ein Werkstattbericht. Von Versuchen, die scheitern durften, bevor sie mich zerstörten. Von Menschen, die mich prägten. Engel, Teufel, alles dazwischen. Von Nächten, in denen Angstschweiß an meiner Haut klebte, und Morgen, an denen man trotzdem aufstehen musste. Sie erzählt, wie man verliert, ohne zu verschwinden. Und wie man gewinnt, ohne sich zu verlieren.
Und bevor Sie zweifeln: Jede Geschichte in diesem Buch ist wahr. So absurd, so verrückt, so unglaublich sie auch klingen mag, ich habe sie alle erlebt. Keine Fiktion, keine Ausschmückung. Nur das echte, manchmal gnadenlose Leben, wie es schreibt, wenn man ihm keinen Stift aus der Hand nimmt.
Wenn Sie eine geradlinige Karriere suchen: Falsches Regal. Wenn Sie wissen wollen, wie man mit leeren Taschen, vollem Herzen und einer hartnäckigen Idee durch die Hölle geht: Willkommen. Vielleicht finden Sie zwischen meinen Umwegen Ihren eigenen kürzeren Weg. Vielleicht auch nur den Mut, wieder anzufangen.
Im nachfolgenden Erleben Sie meine Geschichten, gefüllt mit Träumen, Kreativität und Mut. Teilweise so unglaublich, dass es sie noch nicht einmal im Kino gibt. Ich habe in meinem Leben alles Mögliche verloren: Geld, Häuser, Firmen, Menschen, Sicherheiten. Geblieben ist etwas anderes: eine Formel.
Mit über 40 Jahren Business Erfahrung habe ich mich hingesetzt und mein Leben reflektiert. Entstanden aus dieser Reflektion ist eine Formel. Eine Formel die 40 Jahre lang mein Leben begleitet hat und ich entdeckt habe, dass sie am Ende jeder Geschichte nie ihre Gültigkeit verloren hat. Im Gegenteil. Nach jedem Kapitel habe ich festgestellt, dass diese Formel eine Lebensformel ist, die jeder für sich nutzen kann.
L steht für Lebensqualität, für Bewusstsein und Weisheit.
E ist die Energie des Handelns: Mut, Leidenschaft, Neugier.
M ist Menschlichkeit: Liebe, Empathie, Verbindung.
S² ist Scheitern im Quadrat: alle Fehler, Verluste, plus das Kopfkino, das daraus ein Drama macht.
Diese Formel ist nicht in einem Seminar entstanden, auch nicht in einem Coachingraum mit Flipchart oder durch KI. Sie ist gewachsen, 40 Jahre lang zwischen all meinen Geschichten und dem Fazit danach: „Jetzt ist wirklich alles vorbei.“
Spoiler: War es nie. Im Gegenteil: es wurde immer spannender.
1986–1987
Vor 40 Jahren hatte ich eine Idee, die mich damals genauso überforderte wie beflügelte. Ich war jung, 23, voller Energie und völlig frei von Erfahrung. Vielleicht war genau das mein größtes Kapital. Ich war überzeugt, dass man mit Mut allein schon viel bewegen kann. Also wollte ich eine Galerie eröffnen. Natürlich nicht irgendeine, sondern eine, die Kunst zugänglich machte. Kaufen oder leihen, je nach Bedarf.
Ärzte, Anwälte, Architekten, Banken sollten ihre Räume mit Kunst ausstatten können, ohne sich gleich festzulegen. Nach sechs oder zwölf Monaten tauschen, neue Eindrücke, neue Farben, neue Geschichten. Ein System, das ständig in Bewegung bleibt.
Das Startkapital kam aus einem alten Zinsdepot, ein Geschenk meines Großvaters. Ich löste es auf, obwohl jeder vernünftige Mensch mir davon abgeraten hätte. Aber Vernunft war nie das, was mich antrieb.
Heizers „Dragged Mass Geometric“ landete im Schaufenster, Hopper und Picasso an den Wänden. Ich war stolz. Ich hatte eine eigene Galerie. Klein, echt und kreativ.
Ich rief die Aachener Zeitung an. Ich weiß bis heute nicht, woher ich diesen Mut nahm. Und tatsächlich, sie brachten einen Artikel heraus. Der Artikel war lang und sehr positiv geschrieben. Ich dachte, das sei der Moment, an dem alles losgehen würde.
Aber niemand kam. Wirklich niemand. Eine gespenstige Ruhe.
Tag für Tag saß ich an meinem Schreibtisch im Laden und wartete. Ich kann heute noch beschreiben, wie die Stille dort klang. Wie die Bilder mich ansahen. Wie die Hoffnung jeden Tag ein kleines Stück kleiner wurde. In vier Wochen verkaufte ich genau ein Bild: Picassos Friedenstaube.
Mein Geld war weg, die Miete fällig, die Luft raus. Die Vermieterin ließ mich nicht aus dem fünfjährigen Vertrag. Ich hatte keine Ahnung, wie ich da wieder rauskommen sollte. Am Ende musste ich aufgeben. Ich stapelte die Bilder im Keller, schloss den Laden ab und fühlte mich, als hätte ich versagt. Damals tat das weh. Heute weiß ich, dass es nötig war.
Ich floh nach Australien. Barossa Valley. Nur weit weg! Weit weg von den Schulden, von den Gläubigern, von meinen geplatzten Träumen...
Wie geht es weiter?
Die ganze Geschichte wartet auf dich.