Warum Reden über deine Sorgen sie manchmal größer macht
Autor: Ralf List |
Warum ständiges Grübeln und Analysieren deine Sorgen oft verstärkt statt löst , und wie du mit STOP-CHECK-SHIFT den Kreislauf endlich wirklich unterbrichst.
Ich erinnere mich an einen Abend vor ein paar Jahren. Ein Deal war geplatzt, ein größerer, einer, auf den ich gebaut hatte. Ich saß mit zwei Freunden am Tisch, eine Flasche Wein zwischen uns, und wir haben geredet. Und geredet. Und geredet.
Warum ist es geplatzt. Was hätte ich anders machen können. Was das jetzt für die nächsten Monate bedeutet. Ob ich dem Investor vertrauen kann. Ob ich überhaupt noch irgendjemandem vertrauen kann. Drei Stunden später war die Flasche leer und ich fühlte mich, als hätte ich etwas geleistet. Als hätte ich das Problem bearbeitet.
Am nächsten Morgen war der Deal immer noch geplatzt. Aber ich war müder, dünnhäutiger und irgendwie noch tiefer drin als am Abend zuvor.
Das hat mich lange beschäftigt, bis ich verstanden habe, was da eigentlich passiert war. Ich hatte nicht nachgedacht. Ich hatte gegrübelt und es Nachdenken genannt. Der Unterschied ist riesig, auch wenn er sich von außen kaum unterscheidet. Nachdenken führt irgendwo hin. Grübeln dreht sich im Kreis und fühlt sich dabei erstaunlich produktiv an, gerade weil man redet, weil man analysiert, weil man ja etwas tut.
Genau das ist die Falle bei S². Nicht das Ereignis selbst, das ist nach spätestens einem Tag Geschichte. Sondern das, was ich im Kopf daraus mache, wenn ich es immer wieder durchkaue. Jedes Mal, wenn ich den Abend am Tisch neu erzählt habe, in Gedanken oder laut, habe ich das ursprüngliche Scheitern potenziert. Nicht kleiner gemacht. Größer.
Und das Tückische daran: Es fühlt sich an, als würde das Reden helfen. Man ist ja gemeinsam, man wird verstanden, man bekommt ein Nicken. Aber ein Nicken löst kein Problem. Es hält dich manchmal nur bequem in genau der Schleife fest, aus der du eigentlich raus willst.
Deshalb ist der erste Schritt in meiner Methode auch nicht Analysieren. Es ist STOP. Bevor du das dritte Mal erklärst, warum alles so gekommen ist, wie es gekommen ist, unterbrich den Gedanken. Nicht verdrängen, nicht wegreden. Einfach: Stopp. Dann CHECK. Was ist hier tatsächlich passiert, ganz nüchtern, ohne die Geschichte drumherum. Und erst dann SHIFT. Was mache ich jetzt, mit den Fakten, die tatsächlich da sind.
Das klingt fast zu einfach für ein Problem, das sich so groß anfühlt. Ist es aber nicht. Die Größe des Problems im Kopf und die Größe des Problems in der Realität sind zwei verschiedene Zahlen. Meine Formel sagt dir genau das: S² wächst überproportional, je länger du darin verweilst. Nicht weil das Leben härter wird. Sondern weil dein Kopf weitermacht, wo die Realität längst aufgehört hat.
Wenn du wissen willst, wie stark dein eigenes Kopfkino gerade dein S² aufbläst, mach den **[Sorgen-Typ-Test](https://sorgentest.ralflist.de/)**. Zehn Minuten, ein ehrlicher Blick, keine Vorträge.
Das Problem ist nicht dein Leben. Das Problem ist das, was du darüber denkst.