Wie ich mein eigenes Buch heimlich auf den Bestseller-Tisch legte
Autor: Ralf List |
Ralf List über sein Buch in der Aachen-Abteilung, zehn heimlich verschobene Exemplare , und was das über den Umgang mit Enttäuschung verrät.
Ich betrat eine große Buchhandlung mitten in Aachen, voller Hoffnung, und fragte am Servicepunkt nach meinem eigenen Buch. Ein kurzer Blick auf den Bildschirm, dann die Antwort: "Ja, das liegt in unserer Aachen-Abteilung." , "In der Aachen-Abteilung?" , "Ja, Sie sind ja Aachener. Alles, was mit Aachen zu tun hat, kommt dorthin. Der Eifelsteig, der Dom … und Ihr Buch."
Meine Enttäuschung war riesig. Wie sollte da jemand zufällig über [mein Buch](https://ralflist.de/buch) stolpern, eingeklemmt zwischen Wanderführern und Dom-Postkarten?
Ich hätte an dieser Stelle aufgeben können. Stattdessen ging ich in die Abteilung, fand dort zehn Exemplare, schaute mich unauffällig um , und verteilte alle zehn strategisch auf die [Bestseller-Tische](https://amzn.to/4eP8YwH) im Eingangsbereich. Am nächsten Tag: alle zehn verkauft. Zehn Euro Tantieme. Ich ging wieder hin. Fünf Exemplare lagen noch in der Aachen-Abteilung. Wieder umverteilt. Wieder verkauft. Fünf Euro mehr.
Am Tag darauf war kein Exemplar mehr vorrätig, und man bot mir an, es zu [bestellen](https://ralflist.de/shop).
Die Zitrone und die Limonade
Es gibt diesen alten Satz: Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, mach Limonade daraus. Ich mochte diesen Satz nie besonders, weil er so klingt, als müsste man ständig gute Laune simulieren. Das ist nicht, was in dieser Buchhandlung passiert ist. Ich war nicht gut gelaunt. Ich war enttäuscht, richtig enttäuscht. Der Unterschied war: Ich bin bei der Enttäuschung nicht stehen geblieben.
Das ist der eigentliche Punkt meiner Formel L = (E × M) ÷ S². Das S , das Scheitern, die falsch einsortierte Aachen-Abteilung, die gefühlte Kränkung , wirkt im Quadrat, wenn ich es im Kopf immer größer mache. Aber es verliert seine Wucht in dem Moment, in dem ich aufhöre, darüber nachzudenken, wie ungerecht das ist, und anfange zu handeln.
STOP , CHECK , SHIFT im Buchladen
**STOP:** Der erste Impuls war, den Laden wütend zu verlassen und mir die ganze Buchbranche als korrupt und ungerecht zurechtzulegen. Genau da habe ich gestoppt.
**CHECK:** Was ist das eigentliche Problem hier? Nicht die Buchhandlung, nicht die Verkäufer. Das Problem war eine falsche Sortierung. Ein lösbares, konkretes, kleines Problem.
**SHIFT:** Handeln, statt zu grübeln. Ich habe die Bücher selbst umgestellt. Kein Masterplan, keine Beschwerde beim Filialleiter, keine Wochen des Ärgerns. Eine kleine, sofortige Handlung.
Am Ende ging es nicht um zehn Euro Tantieme. Es ging darum, dass ich in dem Moment, in dem ich enttäuscht war, trotzdem noch handlungsfähig blieb. Genau das ist es, was Sorge so oft wegnimmt: nicht das Problem selbst, sondern die Fähigkeit, überhaupt noch etwas zu tun.
Wenn dein Kopf gerade in einer eigenen "Aachen-Abteilung" feststeckt , einem Gedanken, der sich festgefahren anfühlt, obwohl das eigentliche Problem klein und lösbar wäre , ist der 10-Minuten Reset genau dafür gebaut: nicht um die Zitrone wegzudiskutieren, sondern um schnell genug wieder klar zu sehen, um selbst die Limonade daraus zu machen.
**Das Problem ist nicht dein Leben. Das Problem ist das, was du darüber denkst.**